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Seelisches Trauma verstehen

Aktualisiert: 13. Nov 2019

Ein Trauma (seelische Verletzung) entsteht, wenn der psychische Bewältigungsapparat in einer Situation überfordert ist. Ein psychisches Trauma kann jeden Menschen treffen.



Konflikte und schwierige Situationen sind alltägliche Lebenserfahrungen, für die wir im Laufe unseres Lebens individuelle funktionierende Entwicklungsstrategien entwickelt haben. Traumatisierende Situationen sind oft plötzliche und unerwartete Ereignisse, die zu extremer Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit führen und in denen die vertrauten und erprobten Lösungsstrategien nicht mehr greifen.


Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf belastende Erfahrungen. Was für den einen Menschen ohne weitere Unterstützung zu bewältigen ist, kann für einen anderen Menschen eine seelische Verletzung bedeuten, bei der er dann Unterstützung zur Bewältigung braucht, wie z.B. Beratung oder Psychotherapie.


Traumatisierende Ereignisse können sehr unterschiedlich sein:

- Unfälle (selbst erleidet oder auch beobachtet)

- Operationen

- Tod oder schwere Krankheit eines geliebten Menschen

- Katastrophen

- Verhalten oder Einwirkung von Menschen (Misshandlungen, psychischer oder physischer Missbrauch, Folter)


Diese Erfahrungen können unterschiedliche Auswirkungen haben:


Überreaktion in an sich harmlosen Situationen

Reaktionen und Gefühle passen nicht in die aktuelle Situation. Die in der bedrohlichen Situation entstandenen Gefühle treten in ähnlichen, aber harmlosen Situationen auf und sorgen für erneute Hilflosigkeit, Angst oder sogar Panik.


Wiedererleben, Wiedererinnern (Intrusionen)

Intrusion ist eine bestimmte Form des Wieder-Erinnerns. Bilder, Geräusche, oder Gefühle des Erlebten können plötzlich auftauchen, ohne dass sie kontrolliert werden können.

Meist führen sogenannte Trigger dazu, dass man das Gefühl hat, sich erneut in der Situation zu befinden. Trigger können ähnliche Situationen, Gefühle, Bilder, Gerüche oder auch Geräusche sein.

Der Körper führt eine Art Überlebensprogramm aus, da er die bedrohliche Situation als Gefahrensituation abgespeichert hat. Dadurch können z.B. erneut Ängste, Panikattacken, Fluchtimpulse entstehen oder auch eine Art Erstarrung/Lähmung einsetzen.


Vermeidungsverhalten

Um Situationen, die Erinnerungen auslösen können zu vermeiden, ziehen sich Betroffene nicht selten immer mehr zurück. Der Versuch, die Angst zu kontrollieren, kann bei traumatisierten Menschen im Extremfall sogar dazu führen, dass sie nur noch wenig das Haus verlassen. Viele Betroffene vermeiden auch, über die Erinnerung zu reden, um nicht wieder von den Bildern überflutet zu werden.


Ständiges Wachsamsein und Übererregbarkeit

Um sich vor erneuter Traumatisierung zu schützen, kommt es zu einer erhöhten Wachsamkeit, indem der Betroffene ständig „auf der Hut“ und somit angespannt ist. Innere Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen, schnelleres Erschrecken und Gereiztheit können die Folge sein. Diese Beschwerden können vereinzelt, zeitweise oder dauerhaft auftreten. Sie belasten die Betroffen wie auch Angehörige gleichermaßen und sind mit dem Willen nicht einfach abzustellen.


Konzentrationsprobleme

Ständig wachsam zu sein führt zu Konzentrationsproblemen, da die Aufmerksamkeit auf eventuelle Bedrohungen gerichtet ist und Alltagsgeschäfte für das traumatisierte Gehirn in den Hintergrund rücken. So kann es sein, dass nichts mehr richtig gelingt, sich Fehler einschleichen und man vergesslich wird.


Vergessen

Eine weitere Möglichkeit, sich zu schützen ist das Vergessen. Um sich vor den Gefühlen in der erlittenen Situation zu schützen, wird das Geschehen teilweise oder ganz verdrängt. Das Gehirn verhindert dadurch, dass der Betroffene das, was er erlebt hat und die damit verbundenen Gefühle abrufen kann.


Diese Auswirkungen bedeuten für den Betroffenen und auch für die Angehörigen eine große Belastung. Nicht selten entstehen dadurch weitere psychische Probleme wie z.B. Depressionen oder Angststörungen. Mit der geeigneten psychotherapeutischen Unterstützung ist es jedoch möglich, ein seelisches Trauma zu verarbeiten.

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© 2020 Praxis für Einzel-, Paar- und Familientherapie, Astrid Metko